Montag, 28. November 2016

Laufwoche 3- Alle zünden Kerzen an, ich lass Muskeln brennen.#teroddathon

So oder so ähnlich der Spruch der Woche. Am Montag hatte ich mich zum Laufen mit einem Kumpel verabredet. Die Beine waren schwer vom Nussdorflauf samstags und ich dachte mir naja ziehen wirs halt irgendwie durch und was soll ich sagen ? Vielleicht ist es gerade gut in den Muskelkater reinzulaufen oder was auch immer. Auf alle Fälle lief die Einheit total super ich hatte von Anfang an das Gefühl super in den Takt zu kommen, gut Luft zu kriegen und auch die Beine fühlten sich erstaunlich locker an. 
Wir absolvierten im Endeffekt 5,52 km in einem Durchschnittstempo von 7:04 min pro Kilometer. Danach rollte ich zu Hause die Matte aus und abslovierte noch ein bisschen muskelentspannendes Yoga. Am nächsten Morgen erhielt ich eine Nachricht von meinem Trainingspartner- Alter ich komm keine Treppe mehr hoch, hast du auch so Muskelkater. Ich musste lächeln und antwortete mit nein, ich spüre überhaupt nichts. 
Echt ein tolles Gefühl obwohl ich mich erst in Woche drei befinde wenig Muskelkater zu haben. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag stand dann das Pferd auf dem Programm. Dreimal reiten, einmal longieren inklusive längerer Läufe zu Koppeln und Paddock. Freitag wusste ich aber bereits nach dem Stall geht´s noch in die Laufklamotten. Endlich mal die Chance dank meiner flexiblen Arbeitszeiten noch im hellen auf die Strecke zu kommen- yeah. Der Kumpel von Montag hatte Feuer gefangen und war auch direkt wieder dabei und so liefen wir eineinhalb Runden um den Breitenauer See- im Winter eine wirklich schöne ruhige sowie absolut flache Laufstrecke. Im Sommer leider nur in den späten Abendstunden zu ertragen, da völlig von Touristen überbevölkert. 

(Hier noch eine kleine Werbung in eigener Sache. Nächsten Samstag & Sonntag findet dort ein wunderschöner Weihnachtsmarkt statt klickt hier für mehr Infos. Es nehmen nur örtliche Vereine teil und kleine Kunsthandwerker also nicht der übliche Weihnachtsmarktkommerzwahnsinn). 

Wir waren ziemlich schnell unterwegs. Während wir den ersten Kilometer sogar knapp unter 6 Minuten liefen, blieb auch bis auf den letzen halben Kilometer (wo wir aber auch zweimal umdrehten weil wir unsere Schnelligkeit unterschätzt hatten) alles unter den 7 Minuten. Wohoo 5,7 im 06:44 Schnitt also, der Puls auch durchgängig im für mich noch normalen Bereich. So kanns doch weiter laufen dachte ich mir. Und startete Sonntags direkt auf der gleichen Strecke diesmal mit Kumpel, Bruder und Freund wieder an unsere Lieblingsstrecke den See. Aber irgendwie wollte mein Körper gar nicht so wie ich, ich bekam total schlecht Luft und keuchte so vor mich hin, bemeckerte meine Laufpartner mit Ich hasse euch alle und ich bin so ein Versager warum seit ihr alle so fit ?. Nun ja, die letzten 2km ging dann auch mein Puls immer wieder recht hoch. Der Kaffee denn ich morgens getrunken hatte war wohl eher nichts für mich, da ich den nicht gewohnt bin. Insgesamt standen nach 43:39 min 6,53km auf der Uhr in einer durchschnittlichen Pace von 06:50 pro Kilometer, wobei Kilometer 4 und 5 leider über 7 Minuten lagen. Nach der Einheit war ich dann richtig aggro- kennt ihr dass wenn ihr eigentlich einfach mehr von euch erwartet ? Naja schnell die Füße abgekühlt und etwas Wasser ins Gesicht und ab nach Hause. Mein Kreislauf fand das alles nicht so geil mit den kalten Füßen, passte also alles zusammen. 
Gestern Abend erhielt ich dann noch eine Nachricht von einer Freundin mit der Frage wie ich es eigentlich schaffen würde soviel zu laufen und dass sie Respekt hätte, dass ich das so durchziehe. Da fühlten sich die schweren Beine gleich etwas leichter an. Es sind diese kleinen Dinge die mich immer wieder motivieren 
Die drei Einheiten diese Woche sind geschafft und heute Abend gehts zur Belohnung ins Stadion bevor es dann morgen Abend wieder auf die Strecke geht. 

Zusammengefasst:
Insgesamt standen diese Woche dann 17,75 Laufkilometer auf der Uhr. Insgesamt war ich 65,5 km unterwegs. (wobei der Lauf von gestern nicht in den Wochenkilometern erfasst ist, da die Uhr ab Sonntag beginnt neu zu rechnen) 

Gefühlt:
Soweit, so okay. Das Knie zwickte freitags etwas, aber Grünlippmuschelbalsam hat gewirkt. 

Motto der Woche:
Alle zünden Kerzen an, ich lass lieber Muskeln brennen.

Montag, 21. November 2016

Laufwoche 2- Das Bauchgefühl stimmt nicht #teroddathon

Nun befinde ich mich also schon in Trainingswoche 3. Was auch heißt, es wird Zeit euch von Trainingswoche 2 zu berichten. Und die war nun ja, schwer durchwachsen. Direkt montags hatte ich mich mit meinem Bruder zu einer kleineren Einheit verabredet. Gute halbe Stunde und schauen wie weit wir kommen stand auf dem Plan. Wir sind dann 38 Minuten gelaufen und haben 5,2 km geschafft. Wobei ich mich eigentlich durchweg gut fühlte und wir zum Schluss noch einen Berg hoch schnauften. Soweit so gut- zu Hause angekommen gings unter die Dusche und ich kochte mir ein Kännchen Ingwertee und begann mein Mittagessen für die nächsten Tage und mein Abendessen vorzubereiten.
Plötzlich überkam mich ein ekelhaftes flaues Gefühl im Magen, mir wurde kalt und irgendwie schwindelig. Was war den jetzt los ? Okay, mein ENssen war soweit fertig also aß ich zwei Toastbrötchen und Spiegelei dazu und dachte geht bestimmt wieder, hast sicher zu lange nichts gegessen. Tja. Nee leider nein, leider gar nicht. Direkt vom Esstisch bewegte ich mich auf die Couch und blieb dort erst mal in eine Decke eingewickelt liegen.
Es wurde nicht besser und so entschied ich mich dann einfach ins Bett zu liegen und versuchen zu schlafen was auch recht gut funktionierte.
Am nächsten Tag war dann alles wieder halbwegs normal und nach einer kurzen Yoga Stretching Übung am Abend war auch der Muskelkater vom Vortag passé.
Mittwoch und Donnerstag ging es dann aufs Pferd. Freitag war mein üblicher Putz-Haushalts-Einkaufs-Tag etwas verkürzt da die Arbeit einfach viel länger brauchte wie eigentlich geplant. Abends stand dann noch eine Geburtstagsfeier an, was mein Schlafpensum erheblich verkürzte. Am nächsten Morgen klingelte der Wecker nämlich wie unter der Woche auch um 5:00 Uhr. Grund: Arbeit. Ich setzte mich also zwei Stunden an den Laptop und schaffte, dannach ging es in den Stall das Pferd longieren und auf die Koppel bringen. Der wöchentliche Einkauf stand auch noch an und dann machten wir uns auf den Weg zu meinem ersten richtigen Wettkampf. Der Nussdorflauf war nicht weit von zu Hause entfernt, die Strecke sah zumindest auf dem Streckenprofil einfach aus. Da gehts ein bisschen den Berg hoch, ja aber das schaffe ich schon, dachte ich. Trotzdem war ich hundemüde und überhaupt nicht laufbereit. Aber angemeldet war angemeldet und nicht hingehen, geht jetzt auch nicht.
Die Strecke gesehen und erst mal schockiert: Da gehts nicht nur ein bisschen den Berg hoch sondern der komplette erste Kilometer ist eine Steigung, und da in Runden gelaufen wird das ganze gleich zweimal. Erschießt mich auf der Stelle dachte ich mir. Zudem bekam ich Hunger. Eine Banane oder ein Apfel könnte ich noch essen meinte der Freund. Ja so ne Banane wäre was gewesen, Äpfel vertrag ich nicht. Aber das gab es weit und breit nicht und ansonsten nur Pommes und Kuchen. Also wird dass schon irgendwie gehen. Gesagt getan. Das erste Mal den Anstieg hoch verlief auch ohne Probleme ich wurde zwar von einigen Läufern überholt, aber hey- mein Tempo machen, entspannt und locker nicht zu schnell von Anfang an. Die erste Runde verlief also ohne weitere Probleme aber dann kam das zweite mal der Berg. Ich dachte, naja versuchtes mal ob du laufend hochkommst. Bei Blick auf meine Uhr war mein Puls aber plötzlich bei 180. Also mal lieber ein paar Meter gehen. Die paar Meter wurde dann der ganze Berg und oben angekommen war nur noch ein Gedanke da: Was zur Hölle tust du dir da eigentlich an ? So läufst du nie ein Marathon du Versager. Zudem begann dann mein Unterleib zu krampfen ( herzlichen Dank Mutter Natur!). Spitze, prima. Ganz toll. Naja egal es geht nur noch den Berg runter. Ich hängte mich an zwei Läufer vor mir und sagte mir die überholst du noch vor Zieleinlauf. Frustrienderweise kam noch dazu dass ich von etlichen 10km Läufern überholt wurde. Aber gut, immerhin ich lief wieder. Bauchkrämpfe ignoriert, sowas passiert beim Marathon auch und ab ins Ziel. Die zwei Jungs lies ich dann tatsächlich noch hinter mir und mobilisierte die letzen Kilometer meine Reserven. Zielzeit für 6,6km 44:43. Nun ja. Immerhin nicht mit den Nordic Walkern im Ziel.
Völlig desorientiert lief ich durch den Zielbereich lies mir einen Apfel (Warum eigentlich das ?!) , Kopfhörer, ein Wasser und ein Armband geben ( Für 6 Euro Startgebühr übrigens ne coole Sache liebe LG Nussdorf) und wartete auf den Freund der die 10 gelaufen war. Mein Puls wollte sich nicht so recht beruhigen also stellte ich mich mal vorsichtshalber in Richtung Rotkreuz. Der Mann sah im Ziel auch recht fertig aus und sagte auch was von Scheißstrecke. Gut. Beruhigt. Also erst mal duschen, warm, frisch machen Haare waschen- geil.Nicht . Aus dem Duschpils lief nur noch ein dünnes Rinnsal Wasser und das war kalt. Also kurz frisch machen, Haare nur mit Wasser auswaschen und schnell wieder unter dem kalten Wasser vor. Scheinbar einfach nicht mein Tag, nicht meine Woche- ihr kennt das. 

Zusammengefasst:
Insgesamt standen diese Woche dann 11,8 Laufkilometer auf der Uhr. Insgesamt war ich 64,29 km unterwegs.
Gefühlt:
Eher schlecht. Festgestellt dass ich vor meinen Läufen immer noch eine Kleinigkeit essen sollte, da ich sonst dannach Probleme bekomme.

Was steht nächste Woche an ?3*40 Min laufen, 3*Reiten, 2*Faszien/Stabilitätsyoga, 

Mittwoch, 16. November 2016

Laufwoche 1- Was zur Hölle mach ich hier eigentlich? #teroddathon

Nun, wie sah sie den aus meine erste Trainingswoche ? Hab ich überhaupt trainiert oder etwa gar nichts getan und  so getan als hätte es die Wette nie gegeben ? Natürlich nicht. Zum einen ist der Druck von außen schon etwas hoch (den Druck haben jetzt nicht die anderen ^^) zum anderen sind wie bereits gesagt Wettschulden für mich Ehrenschulden, deshalb wird das ganze natürlich durchgezogen.

Also schlief ich sonntags nach besagtem Spieltag sehr wenig. Ein Marathon. Wie sollte dass den Bitte gehen? Aber es würde mir ja jetzt auch nichts anderes übrig bleiben. Trotz meines neuen Trainingspensum durfte natürlich das Pferd weiterhin nicht zu kurz kommen, also ging es montags erst mal eine Stunde reiten. Des weiteren kommen im Stall natürlich auch diverse Arbeiten hinzu, Pferde von der Koppel herein holen, Box ausmisten, Sattelzeug durch die Gegend schleppen und und und. Sprich: Definitiv auch Training.
Dienstags hatte das Pferd sattelfrei, sprich ich hab ihn nur etwas longiert und hatte so noch entsprechende Energie für einen Abendlauf. Es war kalt und dunkel und die Beine zwickten vom Vortag aber nun ja. Ziel des Laufes war erst mal zu schauen, was überhaupt geht. Und nun ja- es war okay. Nach der halben Stunde standen 4,1 km auf der Uhr und ich hatte mich sogar an zwei kleinere Steigungen getraut.
Mittwochs hieß es dann wieder ab aufs Pferd. Das leider gar nicht ganz so kooperativ war, womit mich dies extra Kraft kostete- aber was will man machen. Zu Hause hieß es dann noch etwas Stabilitätstraining mit meiner absoluten Lieblingsübung dem Seitstütz. NICHT. Ich kann mich absolut nicht halten und habe glaube ich die 20 Minuten lang nur rumgeflucht.
Donnerstags hieß es dann wieder ab aufs Pferd und ich freute mich echt nach Hause zu kommen und nichts mehr tun zu müssen, da die Oberschenkelmuskeln schon sehr zwickten.
Vor allem hieß Freitag für mich wirklich FREItag. Kein Sport, nur ein Frisörtermin, einkaufen, Haushalt und Wäsche- kann ja auch nicht alles liegen bleiben.
Samstags früh wurde ich um kurz nach halb sieben wach, nach wenig erfolgreichen Versuchen wieder einzuschlafen weckte ich schließlich den Freund und zwang ihn aufs Fahrrad- Frühstück würde ja später reichen. Auf dem Plan stand Fahrtspiel, nach Gefühl das Tempo erhöhen, wieder langsam machen, mittleres Tempo, Sprints. Ja, war anstrengend. War vielleicht auch nicht die beste Idee ganz ohne Frühstück aber Spaß hats trotzdem gemacht. Auf der Uhr standen im Endeffekt 34 min in denen ich 4,7 km gelaufen bin. Dazu sagen muss man dass der erste halbe Kilometer nicht aufgezeichnet wurde weil da jemand zu doof war um auf los zu drücken. 
Außerdem habe ich diese Woche meine Ausrüstung erweitert. Beim derzeitigen Wetter empfehlen sich ja eher lange Laufsachen und ich hab nur kurze. Also zog eine weitere lange Laufhose, Funktionsunterwäsche, eine Regenjacke, eine Stirnlampe, eine Laufmütze sowie ein paar Handschuhe bei mir ein. Nicht zu vergessen meine neue GPS Uhr-  die ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk vom Freund war. Meine jetzige hatte keine Herzfrequenz/Pulsmessung und ohne diese dürfe ich nicht trainieren meinte der  Mann- hat er ja auch Recht. Ein Sachbuch über Marathon gab es auch gleich noch- happy me :)

Zusammengefasst: 
Insgesamt standen dann diese Woche also fast 9 Laufkilometer auf der Uhr. Nicht viel. Aber: Der Weg ist das Ziel und es geht jetzt erstmal um die Grundlagenausdauer. Insgesamt hat meine Uhr über die Woche 48,74 Geh- und Laufkilometer gezählt, wobei natürlich auch die Stunden auf dem Pferd als Kilometer gezählt werden. 

Offene Fragen:
Gibt es Sinn sich zusätzlich zum Muskelaufbau im Fitnessstudio anzumelden hat da jemand Erfahrung? Habt ihr  Tipps für gute Videotutorials für Stabilitätstraining ? Interessiert euch auch was ich so esse bzw. auf was ich in meiner Ernährung durch den vielen Sport besonders achte ?

Gefühlt: 
Irgendwas zwischen: Was zur Hölle mach ich hier eigentlich ? und der Weg ist das Ziel, du schaffst das. 

Was steht nächste Woche an ?
1*30 Min laufen, 2*Reiten, 1*Faszien/Stabilitätsyoga, 1*6,6km laufen (Übungswettkampf)

Montag, 7. November 2016

Wie ich eigentlich beschloss nie mehr zu laufen..#teroddathon

Eigentlich wollte ich nie mehr laufen. Im Sommer hatte ich einen Trainingsplan angefangen, von 0 auf 5km. Ich dachte mir mit Trainingsplan wird das schon besser werden und du wirst endlich mal nicht mehr laufen wie so eine Kuh auf Rollschuhen. Nun ja. Es wurde aber leider nicht viel besser. Der Muskelkater blieb. Im Kopf immer wieder der Gedanke: Warum machst du den Mist eigentlich ? Du bist so ein Versager, du wirst doch nie besser. Ich kaufte mir eine GPS Uhr um noch genauer zu sehen wie langsam ich eigentlich bin. Die ersten 5km habe ich dann irgendwann geschafft. Dann kam der Urlaub und die Hitze und  direkt danach eine Grippe die mich locker 2 Wochen flachlegte. Die neuen Schuhe, die ich übrigens sehr günstig erstand (der Schwabe freut sich), warten seitdem auf eine erste Benutzung.
Der eigentliche Tiefpunkt war aber nicht die Grippe, der Urlaub oder der Kopf der ständig: Du Versagerin rief. Der eigentliche Tiefpunkt war eine Laufveranstaltung. Um genauer zu sein der Frankfurt Marathon. Ich begleitete meinen Freund, der dort laufen würde und um mich raum waren plötzlich 15.000 Menschen die fit waren. 15.000 Menschen die hier 42 km liefen. Und da stand ich, ich diejenige die nicht mal 5km laufen konnte, ich die im Schulsport ausgelacht wurde wegen groben Untalent, ich die es mit dem Volleyball aufgegeben hatte wegen Untalent, die nie irgendetwas besonderes in Ihrem Leben konnte- nicht mal laufen.
Bewunderung löste diese Leistung in mir aus- aber auch eine große Portion ekelhaften Selbsthass. Warum bist du so ein Schwächling ? Fragte mein Kopf. Du wirst nie in deinem Leben eine Marathon laufen. Klopf deine Laufschuhe in die Tonne, Jenni du kleiner Loser das wirst du eh niemals können.
Es tat weh zu sehen wie viele Menschen sich mit eisernen Willen ins Ziel kämpften und ich war auf Jeden von ihnen unglaublich stolz- außer eben auf mich. Und meinen furchtbaren Minderwertigkeitskomplex. Nie wieder laufen. Eigentlich war das seit letzter Woche Freitag beschlossene Sache. Ein Schwächling bleibt ein Schwächling. Für immer.

 Aus Zeitmangel schaffte ich es aber an diesem Freitag noch nicht für diesen Post die richtige Worte zu finden und ihn zu schreiben.
Vielleicht war das gut, vielleicht aber auch nicht. So trug es sich zu, dass wir uns am Wochenende auf dem Weg zum Spiel unseres VfB Stuttgarts befanden, ich fuhr, mein Bruder und Freund unterhielten sich  über mögliche Spielverläufe und über die Idee nächstes Jahr in Frankfurt den Staffelmarathon zu laufen. Irgendwann fiel der Satz: Wartet ab der Terodde schießt heut 3-4 Tore. Nicht besonders überzeugt von den bisherigen Qualitäten unseres Mittelstürmers und zu sehr Ginczek-Fangirl sagte ich lapidar und ohne große Angst, dass es wirklich passieren würde: Wenn der Terodde heut 3 oder mehr Tore schießt dann lauf ich aber nächstes Jahr nen Marathon. Wäre ich besser in Stochastik, hätte ich diese Wette vermutlich auch gemacht. Immerhin standen aus 9 Spielen für den VfB bisher nur 4 Tore auf der Haben Seite von Simon. Das Spiel nahm seinen Lauf.. die 13. Spielminute und Torwartfehler der Bielefelder- Terodde hielt ich von meinem Platz aus für Insua, da eine Fahne leicht die Sicht blendete. Als ich aber sah wie der Torschütze den Arm zum Kopf führte um zum Seemansgruß ansetzte dachte ich mir- na gut, ein Tor ist kein Tor. Der wird den ja schon noch auswechseln (ja klar, weil wir ja noch fünf Mittelstürmer auf der Bank haben- nicht!). Dann die 70. Minute, ein wichtiges Tor, ein Führungstor nachdem Bielefeld ausgeglichen hatte. Kopfball. Bilderbuchmäßig.  Naja, Freude konnte man das Gefühl schon nicht mehr nennen das ich empfand. Ein paar Tränen kullerten mir die Wangen runter- es würde doch nicht wirklich passieren. Die 87. Spielminute Bielefeld drückte nach wie vor und nichts wäre mir in dem Moment lieber gewesen wie ein Tor, wegen mir hätte es Mitch Langerak persönlich schießen können.. nur nicht einer Simon Terodde. Eine letzte Flanke kurz vor Schlusspfiff von Carlos Mané. Auf Simon Terodde. 89. Minute. Tor. Ob man meine Emotionen in diesem Moment beschreiben kann weiß ich nicht. Die Hände vors Gesicht schlagend konnte ich kaum glauben, dass das gerade wirklich passiert war. Und ich realisierte: Wettschulden sind Ehrenschulden, halb Twitter weiß Bescheid und: du solltest besser auf deinen Bruder hören.

Es geht jetzt also los. Ich werde beginnen mit dem Training. Natürlich werde ich mir die entsprechende Zeit lassen, die ich brauche. Ein Marathon läuft niemand von heute auf morgen. Dazu gehört gezielter Muskelaufbau, Lauftraining und vor allem eins: die mentale Einstellung. Über eine Sache bin ich mir allerdings auch bei der ganzen Aufmerksamkeit bewusst: Ein Marathon ist kein Spaziergang, kein Ponyhof, kein Kindergeburtstag oder ähnliches. Es verlangt körperlich alles von einem und ich werde sicherlich nicht blind drauf los laufen. Belastungs-EKG, betreutes Training, Pulsuhr, ordentliche Schuhe etc. all dass wird mich nun begleiten. Und wer weiß, vermutlich werde ich Simon Terodde irgendwann dankbar sein für diese drei Tore. Den: Wenn du laufen willst, lauf eine Meile. Wenn du ein neues Leben kennen lernen willst, lauf Marathon.


Info: Wer mir beim Training folgen will #teroddathon auf Twitter, oder unter meinem Instaccount. Des weiteren werden längere Trainingsberichte hier auf meinem Blog folgen.

Montag, 15. August 2016

{Gastbeitrag} Mobbing unter Kindern und Jugendlichen

Nachdem ihr nun meinen eigenen Erfahrungsbericht zum Thema Mobbing, sowie den von der lieben Gina lesen durftet, habe ich nun einmal die andere Seite für euch. Ich habe den Andi dem ich schon länger über Twitter folge und daher weiß, dass er Erzieher ist gefragt ob er den mal "die andere Seite" beschreiben kann. Aber lest selbst. Danke für deine Mühe Andi ! 



Im Jahr 2009 begann ich die Erzieher-Ausbildung, seitdem war ich in fünf verschiedenen Einrichtungen (Kindergärten). Es kam bisher – glücklicherweise – noch nie vor, dass wir unter Kollegen/innen das Thema Mobbing (in englischsprachigen Ländern Bullying genannt) thematisieren mussten, denn bei den zwei bis sechsjährigen Kindern trat es nicht auf. Ein Grund hierfür könnte sein, dass wir es nicht so weit kommen lassen, denn die Kinder stehen während des Tagesablaufes nahezu immer unter Beobachtung. Weitere Gründe sind laut Melitta Walter, Münchner Fachberaterin für Gewaltprävention: Die Konflikte dauern nicht lange genug, um die Form von Mobbing anzunehmen (weil eben sehr zeitnah eingeschritten wird) und Vier- oder Fünfjährige seien zu solchen systematischen Handlungen noch gar nicht fähig. (1)
Anders kann es wenige Jahre später in Schulen aussehen, wie dieser Abschnitt aus dem Buch "Max in den Wolken" (2) andeutet:
"Scher dich nicht drum, Max, das lohnt sich doch gar nicht." Ich stimme ihm zu, aber trotzdem, die Ablehnung, die mir in der Schule entgegenschlägt, macht mir ganz schön zu schaffen. Mit Ausnahme von Eva scheint sich die gesamte Klasse gegen mich verschworen zu haben. Früher waren wir alle mehr oder weniger befreundet. Wann eigentlich sind sie zu Feinden geworden? Und warum überhaupt?

Ja, warum überhaupt? Die Gründe für Mobbing sind vielschichtig und komplex, rational oft nicht erklärbar. Zu den Ursachen gehören z. B. die Ausübung von Macht, ein Gefühl der Dominanz und Stärke sowie Entlastung für Aggressionen. (3)

Eine einheitliche Definition des Wortes "Mobbing" gibt es nicht, was es aufmerksamen und couragierten Lehrer/innen nicht einfacher macht situationsgerecht zu handeln und die Frage zu beantworten: Wo endet ein pubertierender Streit zwischen Kindern/Jugendlichen und wann beginnt systematisches Mobbing? Es gibt Anhaltspunkte, woran man Mobbing erkennen kann: "Ein Konflikt zwischen mehreren Schülern verfestigt sich
." / "Ein Schüler ist unterlegen." / "Es ist nicht erkennbar, wie sich der unterlegene Schüler aus der Situation selbst befreien kann." (4) Laut Dan Olweus, Professor für Persönlichkeitspsychologie, liegt Mobbing vor, sobald ein Kind/Jugendlicher wiederholte Male und über einen längeren Zeitraum negative Handlungen von einem (oder mehreren) Kindern/Jugendlichen erfährt. Im Gegensatz zu anderen Forschern sieht Dan Olweus auch einzelne schwerwiegende Vorfälle als Mobbing. (5)
Während meines Praktikums in einer Grundschule kam ich zu diesem Thema mit einem Lehrer ins Gespräch: Die schwerwiegenden Vorfälle finden heute nicht mehr sichtbar für den/die Lehrer/in statt, da sie meist über das Internet, in geschlossenen Gruppen, stattfinden. Hier dürfe sich die Schule aber nicht raushalten. Ein Beispiel für eine Mobbing-Variante (sogenanntesHappy-Slapping): Es werden Kinder/Jugendliche verprügelt oder ausgeraubt, andere filmen die Tat und stellen diese ins Internet. Das Opfer wird beim (Cyber)Mobbing permanent beleidigt, verleumdet oder bloßgestellt. (4) Bedauerlicherweise kein Einzelfall, denn es sind 500.000 Schüler/innen und damit fast jede deutsche Schulklasse von Mobbing betroffen. (6)
Ich selbst habe noch keine Erfahrung mit dem Handeln bei Mobbing, es gibt aber einige Möglichkeiten zur Prävention bzw. wenn dies nicht gelingt Intervention, die im Buch "Superlehrer + Superschule = supergeil" (4) erläutert werden:
- Mit der Klasse ganz konkrete Verhaltensregeln aufstellen, die jeder Schüler einmal jährlich unterschreibt.
- Diverse Angebote wie Anti-Mobbing-Koffer, Anti-Mobbing-Fibel (7), Materialien für Filmprojekte oder Theaterstücke nutzen.
- Eine Möglichkeit sind anonyme Fragebögen, um die Atmosphäre in der Klasse zu erfragen (Ich habe selbst schon Cybermobbing erlebt / Ich habe beobachtet, wie jemand gemobbt wurdeSo schätze ich die Situation in unserer Klasse ein).
- Den Eltern mitteilen, dass sie jeden Mobbingverdacht sofort dem Klassenlehrer / Vertrauenslehrer mitteilen sollen sowie enge Zusammenarbeit mit den Eltern.
- Gerade bei Cybermobbing können auch harte Maßnahmen wie Handyverbot in der gesamten Schule helfen.
- Schulausschluss für den Mobbenden (wird in einer Schulkonferenz beschlossen)

Jede/r Mobbing-Betroffene/r weiß, wie grausam es ist, tagtäglich gedemütigt zu werden. Es ist überaus wichtig, alle Anstrengungen zu unternehmen, dass Mobbing nicht auftritt bzw. Mobbing zu unterbinden.

Donnerstag, 4. August 2016

[Gastbeitrag] Mobbing? Sowas macht er nicht!

Nachdem sich meine letzen Beiträge um das Thema Mobbing und Selbstfindung gedreht haben und ich finde, dass dieses Thema viel zu oft nicht besprochen wird, fragte ich bei Twitter in die Runde ob den jemand gerne etwas zu dieser kleinen Reihe beitragen würde. die liebe Gina  von Sneaker 'n' Lipstick  meldete sich und teilt ihre Erfahrungen in folgenden Text. Danke ! 


Mobbing? Sowas macht er nicht!“

Ich habe sehr lange überlegt wie ich diesen Gastbeitrag hier starten möchte und so wirklich bin ich noch auf keinen grünen Zweig gekommen. Beim Thema Mobbing kannst du nicht so einfach mal anfangen aus dem Nähkästchen zu plaudern. Du gehst erstmal in dich, versuchst die Erinnerungen hochzuholen ohne, dass sie dir noch mal wehtun und reflektierst dein eigenes Verhalten noch mal.

Ich möchte nicht von mir behaupten ich hätte nie jemand etwas Böses gewollt oder gesagt. Egal ob man sich in der Vergangenheit mal auf Twitter mit ein paar Youtuber-Groupies angelegt hat oder einem Kollegen unmissverständlich klargemacht hat, dass man Ihn nicht ausstehen kann. Wie es in der Bibel schon steht „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.“ 
Keiner ist vollkommen unschuldig, aber damals, als ich es noch war mit circa 8 Jahren in der dritten Klasse, war es noch das harmloseste mit Steinen beworfen zu werden. Wenn ich an die Zeit zurückdenke habe ich heute, 16 Jahre später nur noch die Erlebnisse in Erinnerung die quasi den Anfang und das Ende dieser Zeit geprägt haben.
Angefangen hat alles als Mobbi (ich nennen ihn jetzt einfach  mal so) mir auf einem Schulausflug mein neues Paar rote Stiefel kaputt gemacht hat. Ich weiß heute noch welchen Wert sie für mich hatten und wie schlimm es war, dass er mir so lange auf die Hacken getreten ist, bis sich die Sohle gelöst hat. Ab diesem Zeitpunkt war so ziemlich jeder Tag bis zum Ende der Grundschulzeit für mich die persönliche Hölle auf Erden. Es folgten zahlreich ausgerissene Haarbüschel, geklaute Stifte und Schulsachen und Worte, die viel mehr schmerzten als alles was mir körperlich zugetragen wurde.
Am allermeisten schmerzte jedoch, dass von der Klassenlehrerin verleugnet wurde was er tat. Vielleicht weil seine Mutter im Elternbeirat saß, vielleicht. Es war jedoch kein Geheimnis, dass er ein Bulli war. Ich weiß bis heute nicht warum er in Schutz genommen wurde. Aber in der Schule half mir keiner. 1996 gab es das Wort Mobbing in den Schulklassen noch gar nicht. Da wurden solche Dinge als Kleinigkeit abgewinkt. Meine Eltern waren hilflos und ich tröstete mich mit Süßigkeiten und dem RTL2 Mittagsprogramm bis ich am nächsten Morgen wieder mit Bauchschmerzen vor der Schule stand.

Das Ende nahte dann erst in der 9./10. Klasse als der Bulli weiblich wurde und die pubertären Emotionen des Öfteren überschwappten. Der Punkt der für mich bedeutete, dass ich mir nichts mehr im Leben gefallen lassen werden war, als nach einer Projektarbeit die Beurteilungen verkündet wurden. Im  Team mit Madame Bulli, ihr war ihre Gruppennote wohl nicht gut genug, ging es vor die Tür. Die Deutschlehrerin stand mit uns im Kreis und Fräulein ging auf mich los, drohte mir Schläge an und meinte „wenn du willst kann ich dir hier gleich die Fresse polieren“.
Sie wurde natürlich für Ihre Worte dementsprechend bestraft, doch an diesem Punkt hatte Sie sich nur noch mehr auf mich eingeschossen und so ging der Psychoterror los der sich in Form von Gerüchten, Zwischenrufe bei Referaten usw. äußerten. Meine Devise war, zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus. Zumindest währen den 8 Stunden Unterricht. Zu Hause weinte ich oft, weil Worte tatsächlich mehr und länger wehtun können als körperliche Angriffe.
So absurd es jedoch klingen mag, der Tag der Abschlussfeier war der Tag an dem das alles aufhörte. Die Leute die mir all die Jahre wehtaten waren nach diesem Abend aus meinem Leben gegangen und somit auch die täglichen Versuche mir das Leben zur Hölle zu machen.
Das Einzige was mich heute noch an die Zeiten erinnert ist das ein oder andere Frustkilo aus den Zeiten als ich dachte, dass mich nur Essen trösten könnte.
Wenn ich in die Zeit zurückreisen könnte und meinem Teenie ich etwas sagen könnte, wäre das eigentlich nur „halte durch und leg die Chips weg!“.

Ich weiß leider nicht wie heutzutage in den Schulen mit dem Thema umgegangen wird, jedoch zeigen mir die vergangenen Ereignisse wie beispielsweise die Amokläufe in meinem Nachbarort Winnenden oder vor kurzem in München, dass es gegen Mobbing kein Wundermittel gibt. Jeder reagiert anders darauf. Es gibt Leute wie mich, die mit der Hilfe von ehrlicher Freundschaft, Liebe aus der Familie und einem gesunden Menschenverstand darüber hinwegkommen konnten. Allerdings gibt es eben auch die Sorte „Opfer“ die Rachgelüste versprüren oder zu labil dafür sind, es zu überwinden und oftmals nur einen letzten Ausweg sehen. Ich hoffe nur, dass jeder der schon mal jemand so das Leben erschwert hat irgendwann aufwacht und realisiert, was er da mit einem Menschenleben angerichtet hat.
Bis dahin kann ich nur hoffen, dass alle die Jemals Opfer von Mobbing wurden, Ihre Lust am Leben niemals verlieren und wissen, dass auch so dunkle Zeiten irgendwann ein Ende haben.
Traut euch ruhig euch zu wehren und sucht nach Hilfe wenn ihr es nicht alleine schafft.


Dienstag, 26. Juli 2016

{Gastbeitrag] Eine Reise zu mir selbst

Seit längerer Zeit erhielt ich immer wieder sehr liebe anonyme Kommentare auf meinem Blog und vor kurzem die Anfrage einen Gastbeitrag zu schreiben. Hinter dem anonymen Kommentar versteckt sich Svenja, die mittlerweile auch Ihren Weg zu twitter gefunde hat. Ihr findet ihr Profil hier.

Der Beitrag passt sehr gut zu der Thematik Mobbing, aufgrund dessen oftmals Selbstzweifel entstehen.  Ich sag danke und wünsche euch nun viel Spaß beim Lesen. 
Für mich geht dieses Jahr ein wichtiger Lebensabschnitt zu Ende. Ich beende nämlich meine Schulzeit mit dem Abitur. Das ist, finde ich, Grund genug, diese zwölf Jahre mal zu resümieren, sich Gedanken zu machen, was denn eigentlich bleibt von dieser Zeit. Natürlich geht man in die Schule, um zu lernen, man bekommt Noten, muss mit seinen Lehrern mehr oder weniger gut auskommen - aber das ist es nicht, woran ich denke, wenn ich auf diese Jahre zurückblicke. Vielmehr habe ich festgestellt, dass meine Schulzeit in vielerlei Hinsicht eine Reise zu mir selbst war. Ich habe viel über mich gelernt, aus guten und schlechten Erlebnissen Erfahrungen gewonnen. Vor allem habe ich einiges über den Umgang mit Menschen gelernt. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich früher eine ziemliche Einzelgängerin war. Ich hatte als Kind eine lebhafte Fantasie und meistens waren meine Fantasiegeschöpfe und ich selbst mir genug. Das hat sich im Laufe der Jahre geändert. Andere Menschen nahmen nach und nach einen immer wichtigeren Part in meinem Leben ein, zeitweise sogar einen zu wichtigen. Ich habe lange Zeit versucht, es allen recht zu machen, anderen zu gefallen. Nahezu krankhaft. Ich wollte von Menschen gemocht werden, die ich nicht mal leiden kann. Und ohne einige ganz besondere Menschen hätte ich nie den Ausweg aus dieser Sackgasse gefunden. Ich habe gelernt, dass ich gemocht werde, wie ich bin. Nicht von allen, aber von den richtigen und wichtigen Menschen. Ich habe mich lange verstellt, mich hinter einer Mauer versteckt, die mir zum Schutz dienen sollte, in die ich mich aber letzten Endes selbst eingesperrt habe. In den letzten Monaten habe ich diese Mauer Stück für Stück zerschlagen. Ich bin, wie ich bin, und wer das nicht akzeptiert, der ist nicht wert, dass ich mich für ihn verbiege. Schritt für Schritt, habe ich mich von dieser Maske befreit, habe mein wahres Ich zum Vorschein gebracht. Zum Teil war ich selbst überrascht. Ich habe vieles an mir entdeckt, das ich selbst noch nicht wusste. Viele Prioritäten in meinem Leben haben sich verschoben, mein krankhafter Ehrgeiz hat sich zumindest etwas gelegt, weil ich es geschafft habe, mich selbst nicht auf Leistungen zu reduzieren. Ich bin mehr als das. Und auch wenn ich nicht immer alles schaffe, was ich mir vorgenommen habe, bin ich keine Versagerin und die wirklich wichtigen Menschen haben mich deshalb nicht weniger lieb. Ich habe das Gefühl, in diesen letzten Monaten der Schulzeit eigentlich mehr gereift zu sein, mehr gelernt zu haben als in den elfeinhalb Jahren zuvor. Dabei waren es die härtesten Monate meines Lebens. Mehr als ein Mal lag ich abends in Tränen aufgelöst auf der Couch, wusste nicht, wie ich den nächsten Tag überstehen sollte. Manchmal hatte ich das Gefühl, alles wird mir zu viel, stürzt auf mich ein. Selbstzweifel gehören zu meinem Leben dazu. Anfangs habe ich versucht, sie zu verjagen, doch es ist mir nicht gelungen. Stattdessen versuche ich mit ihnen zu leben und diese Schwäche von mir in eine Stärke umzuwandeln. Mit mir selbst zu hadern, ist mir lieber als hochmütig und selbstgefällig zu sein. Ich muss nicht immer versuchen, nach Perfektion zu streben. Mir geht es dann am besten, wenn ich annehme, wie ich bin anstatt mich zu verbiegen. Hey, ich hab vielleicht nicht so viel Selbstbewusstsein, aber dafür bin ich sehr selbstreflektiert, ich bin auch nicht perfekt, aber ich gebe mein Bestes. Diese Schuljahre waren nicht immer einfach für mich, aber sie waren wichtig. Die vergangene Zeit war eine sehr lange Reise zu mir selbst, und der Weg zum Ziel war nicht immer gerade. Ich habe lange gesucht und mich manchmal dabei auch von meinem wahren Ich eher entfernt als angenähert , aber am Ende habe ich mich selbst gefunden. Ich bin wie ich bin.
Im Rückblick auf meine Schulzeit habe ich mich auch mit folgenden Fragen beschäftigt: Wie viel von diesem kleinen Mädchen, das damals eingeschult wurde, ist geblieben? Inwiefern habe ich mich verändert, weiterentwickelt? Gibt es Dinge, die ich vielleicht von meinem früheren Ich lernen kann? Bei welchen Eigenschaften bin ich froh, dass ich sie abgelegt habe? Ich habe überrascht festgestellt, dass in mir tief drinnen noch viel von diesem kleinen, schüchternen Mädchen steckt. Meine Oma hat neulich erst berichtet , dass ich in meiner Grundschulzeit nie im Mittelpunkt stand, sondern immer am Rand, und alles beobachtet habe. Ganz so ist es heute zwar nicht mehr, aber ich habe immer noch eine gewisse Scheu, wenn ich mich außerhalb meiner gewohnten und vertrauten Umgebung bewege. Es fällt mir nicht wirklich leicht, mich anderen gegenüber zu öffnen, auf andere zuzugehen, auch wenn ich im Vergleich zu damals wirklich sehr viel offener und zugänglicher geworden bin. Ich muss allerdings zugeben, dass ich damals nie jemandem etwas vorgespielt habe, sondern eben schüchtern war, was im Nachhinein besser war als die Zeit, in der ich meine Offenheit und Zugänglichkeit nur gespielt habe und in meinem Innersten noch viel schüchterner und einsamer war als damals, ich wusste es nur nicht. Außerdem muss ich mir eingestehen, dass ich damals weit weniger perfektionistisch veranlagt war als heute. Ich war mir selbst genug, heute bin ich oft unzufrieden und will mehr erreichen, besser sein. Vielleicht ist das etwas, was ich von meinem jüngeren, kindlichen Ich lernen kann. Mir selbst zu genügen. Einiges, was ich damals getan oder gesagt habe, kann ich heute nicht mehr nachvollziehen oder würde es anders machen. Das ist okay, ich habe mich weiterentwickelt. Trotzdem bereue ich nichts in meinem Leben, denn wäre etwas anders gelaufen als es passiert ist, wäre ich nie zu der Person geworden, die ich heute bin und von der ich heute sagen kann: Ja! Das bin ich! "Ich warte auf Freunde, ich suche Geborgenheit. Ich teile die Freude, ich teile die Traurigkeit. Doch verlang nicht mein Leben, das kann ich dir nicht geben. Denn ich gehör nur mir. Nur mir!" (Musical "Elisabeth", "Ich gehör nur mir")